Charaktere

People of Anomia #01 - Eleni (Thessaloniki)

 

Eleni´s Waschsalon liegt in einer Straße Thessaloniki´s, in der jedes zweite Geschäft bereits schließen musste. Die Krise hat ihre Spuren hier deutlich hinterlassen, berichtet die lebensfrohe Griechin, die der Krise waker stand hält. Besonders die Jugend leidet. Trotz guter Ausbildung hat man hier keine Perspektiven. Darum hat auch Eleni´s Tochter das Land verlassen, um in England Arbeit zu finden. „Doch du bist und bleibst Griechin, ob du nun in Deutschland, England oder Australien lebst“ sagt Eleni.

 

Eleni´s Launderette is located on a road in Thessaloniki, where every second Shop had to close so far.

"You can feel the Crisis here. Most of all young people are suffering. They don´t have perspectives, although they are well educated." That´s why Eleni´s Daughter left Greece, to find work in London. "You are and will be greek - wether you live in Germany, England or Australia!"

People of Anomia #02 - Petros (Dafnes/Patras)

 

Seine Hütte hat er sich selbst gebaut. Direkt am Strand. Aus alten Holzbrettern, Planen, aus Dingen, die von Anderen nicht mehr gebraucht werden. Vor allem im Winter, so erzählt der ehemalige Fremdenlegionär, werden hier Dinge an den Strand gespült, die man gut verwenden kann. Material, aus dem Petros sein Leben baut. Er lebt vom Meer, fährt mit seinem kleinen Boot hinaus zum Fischen, während sein Hund die Hütte bewacht. Es ist ein anderes Leben, abseits des „Systems“. So wollte er es immer. Diese Krise, sagt er, ist eine Krise des Systems, aber nicht seine.

 

Petros built up his hut on his own, directly on the beachside. Out of old woods and other stuff, that is not needed anymore by others. Espescially in winter very useful things are washed ashore, the former Foreign Legion man tells. He lives off the ocean, goes fishing with a tiny boat, while his dog is guarding the hut. It´s another lifestyle, aside of the system. He wants it like this.

Crisis, he says, is a crisis of the system, not his!

People of Anomia #03 - Alessandro (Patras)

 

Wenn in seiner Heimat Syrien der Krieg vorbei ist, dann will er zurück kehren. Denn er ist müde von der langen Odyssee, die ihn um die halbe Welt geführt hat. Vor einigen Monaten ist er in Griechenland gestrandet und schlägt sich hier nun als „Papierloser“ durch. In einer verfallenen Industrieanlage unweit des Hafens von Patras, verbringt Alessandro seine Nächte. Die Nächte hier sind gefährlich, sagt er. Davon zeugen auch die Narben in seinem Gesicht.

 

If war stops in his homecountry Syria, he will go back. He is tired of the long Odyssee around half the globe. A few months ago he came to greece. Close to the port of Patra, he lives in an old factory building. Nights are dangerous, he tells. The scarfs in his face tell the rest.

People of Anomia #04 - Panagiotis (Perama/Athen)

 

„Jetzt ist die Situation hier in Perama dramatisch. Zunächst gibt es viele Arbeitslose, die Menschen hungern, es ist wie eine Kette: wenn diese Zone nicht arbeitet, arbeiten auch alle Geschäfte, die es hier gibt nicht. In dieser Zone haben früher 5000 Menschen gearbeitet und jetzt sind es geschätzte 100. Viele leben vom Arbeitsamt, sie haben keine Gesundheitsfürsorge, nicht einmal das Grundlegende.“

 

"Nowadays the situation in Perama is dramatic. Many People are unemployed, they are starving. It´s like a chain of causation: If the Zone is not working, many stores in the area are affected too. In this area, there used to work 5000 people, today around 100. Many live off the Jobcenter, they don´t even have primary health care."

People of Anomia #05 - George (Innenstadt von Athen/Downtown Athens)

 

George ist Obdachlos und hat sein Lager gemeinsam mit seinem Freund Georgis in einer schattigen Straßenecke nahe einer Bank in der Athener Innenstadt aufgeschlagen. Vor ihrem Lager haben sie ihr „Büro“: ein Karton mit einem Plastikbecher, in den Passanten Geldmünzen einwerfen. Bevor er auf die Straße kam, war George 25 Jahre lang im Gefängnis. Wegen Mordes an einem Polizisten. Im Streit hat er ihn erstochen, es ging um eine Frau.

 

George is homeless. Together with his friend Georgis he has pitched his camp in a shady street corner near a bank in downtown Athens. In front of their camp, they have their "office": a cardboard box with a plastic cup, where passersby insert coins. Before he came to the road, George spent 25 years in prison for the murder of a policeman. He stabbed him during argument. It was all about a woman.

People of Anomia #06 - Maria (Aspropyrgos)

 

Der Mittelstand ist aus dieser Gegend verschwunden. Maria ist geblieben. Sie bewohnt in Mitten dieser Einöde ein kleines Paradies hinter dicken Zäunen. Ihr Garten, bewacht von Gartenzwergen und einem scharfen, übergewichtigen Golden Retriever, wirkt wie eine grüne Oase in einer Wüstenstadt. Schon lange lebt sie hier und kann nicht weg, weil sie zu wenig Geld hat und niemand ein Haus in dieser Gegend kaufen würde. Diese Gegend. Einmal haben die Roma einen Hund getötet. Und manchmal töten sie sich auch gegenseitig.

 

The middle class has disappeared from this area. Maria has remained. She lives in the middle of this desert, hidden behind massive fences in a small paradise. Her garden, guarded by garden gnomes and a sharp, overweight Golden Retriever, seems to be like a green oasis in a desert town. She lives here for a long time. She can not leave because she don't have enough money and because nobody would buy a house in this area. This area. Once the Roma have killed a dog. And sometimes they even kill each other.

People of Anomia #7 - Guillaume - „The Hitchhiker“

 

Hinter ihm liegt sein Schulleben und vor ihm die weite Welt. Europa und die große Freiheit. Der 18 jährige Franzose, der gerade sein Abitur abgeschlossen hat, sieht sich als Bürger Europas. Jetzt möchte er seinen Kontinent mit den eigenen Sinnen erkunden. Der enge Blick durch den TV-Schirm ist ihm zu wenig. Auf dem Weg nach Patras gabeln wir ihn an einer Tankstelle auf. Er erzählt uns von seinen Träumen und von der Utopie einer besseren Welt, zu der auch er seinen Teil beitragen will.

 

School´s out and the world is open. Europe and the big Freedom. The 18 years old French, who has just finished school, considers himself as a citizen of Europe. Now he wants to discover the continent with his own five senses. The tight view through a TV-screen is not enough for him. On our way to Patras, we pick him up at a gas station. Guillaume tells us about his dreams, about the utopia of a better world and how he wants to contribute, to build it up.

People of Anomia #8 - Konstantinos - „El Maquinista“

 

Ein kleiner Wohnwagen auf einem heruntergekommenen Campingplatz im Athener Umland ist seine Unterkunft. Doch sein Zu Hause ist das Meer. Zwischen Portugal und Brasilien reist der stämmige Schiffsmaschinist of Monate lang hin und her. In seiner Heimat Griechenland jedoch steht Konstantinos vor dem Nichts. Schulden und ein Scheidungsverfahren verschlingen all sein Geld. Eines hat er gelernt in seinem Leben: „If you don´t have the money, you are nothing.“

 

A small caravan on a wasted camping site close to Athens is his accomodation. But his home is the ocean. The chunky machinist works on ships and often keeps travelling between portugal and Brasil for months. But in his home country greece, Konstantinos is totally broke. Depts and a divorce proceeding burn all his money. There is one thing he has learned in life: „if you don´t have the money, you are nothing.“

People of Anomia #9 - Exarchia - „Lady Apocalyptica“

 

„They fuck us all“ sagt sie. Nur wer ist sie? Und wer sind „die“? Wir werden es wohl nie erfahren. Sie spricht ohne Pause, schreit und wütet gegen die Welt, die sie uns erklärt: von den ersten Griechen, über die Militärjunta bis zur globalen Finanzkrise. Es ist eine Matrix aus Lügen, diese Welt, die dem Untergang geweiht ist. Gibt es Hoffnung? Nein. Und was soll man tun? „ Save yourself and the people you love. Connect yourself with the universe“

 

„They fuck us all,“ she says. But who is she? And who are „they“? We will never know. Seh keeps talking with no breaks. She is jelling and screaming against the world, which she explains to us: from the first greeks to the Junta and the global financial crisis. This world is a matrix of lies and it´s close to dawn. Is there hope? No. So what can we do? „Save yourself and the people you love. Connect yourself with the universe.“

People of Anomia #10 - Christos/Thessaloniki

 

„Das Großkapital wird nicht investieren wenn es weiß, dass es die Preise nicht diktieren oder gemeinschaftliche Zusammenschlüsse sprengen kann. Das Kapital geht dorthin, wo es Individuen gibt, die es ausnutzen kann. Du gibst dem einem Geld, um die anderen zu züchtigen. Aber eine Revolution endet nie, so lange es Menschen und Ideen gibt, die sich weiterentwickeln.“

 

„The high finance will not invest it´s money if it knows, that it can not control the prices or destroy the social cooperatives. The high finance goes, where it can find individuals, which can be abused. You give one money, to dominate the others. But a revolution will never end, as long as there are humans and ideas, which develope.“

People of Anomia #11 - Zissis/Komotini

 

Auf dem Gelände einer Textilfabrik unweit von Komotini, dreht Wachmann Zissis seine Runden. Eigentlich hat der junge Familienvater einen Abschluss in Umwelttechnologie in der Tasche, doch in Zeiten der Krise darf man punkto Arbeitsplatz nicht wählerisch sein. Es ist nicht gerade ein Traumjob, aber angemessen bezahlt und mit fairen Konditionen.Und so etwas ist selten geworden in Griechenland. Während der Sommermonate ist es auf dem abgelegenen Gelände recht einsam. Gesellschaft leisten ihm da nur eine Hündin namens „Merkel“ und ihre neun Welpen.

 

On the site of a textile factory close to Komotini, security guard Zissis is pounding the beat. Actually the young father has got an university degree in environmental technologies. But in times of crisis, one must not be choosey . It´s not a dreamjob , but the money is good and the working conditions are fair.That´s something rare in Greece nowadays. During summertime this place is lonely. The only one, who bears him company is a dog called „Merkel“ and her nine kids.